Jahresrückblick 2019: Der süße Sieg über mich selbst

Ich habe diesen Blog geschaffen, um meine Gedanken zu ordnen. Das Chaos in meinem Kopf zu beseitigen, das unweigerlich mit dem Beginn meines Lebens als Madame und der offenen Beziehung verwoben war. Mir über Dinge klar zu werden, die mir im ersten Augenblick schleierhaft schienen. Meine Erfahrungen zu reflektieren und daraus meine Schlüsse zu ziehen. Genau das werde ich in diesem Beitrag tun. Ich möchte sagen: Danke, 2019.

Das Jahr hätte für mich durchwachsener und bunter, aber auch grauer nicht sein können. Zum Jahreswechsel werde ich immer sehr melancholisch. Da ich wusste, dass 2019 für mich ein anstrengendes Jahr werden würde, hatte ich große Angst vor allem, was da auf mich zu kommen würde. Zu Recht, wie ich feststellen musste. Zu Unrecht, wie sich später herausstellte. Nach der „Trennung“ vom Ex-Liebhaber Mitte 2018 habe ich es lange Zeit nicht über’s Herz gebracht zu daten. Im Frühjahr 2019 schöpfte ich dann neue Kraft. Ich wollte nach vorn schauen und hatte lang genug meine Wunden geleckt. Ich traf ein liebes Pärchen, die Chemie stimmte, doch aus zeitlichen Gründen haben wir es nie zum zweiten Date geschafft – was definitiv schade ist, die beiden sind nett. Dann schrieb mir Jonas.

Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich nicht, wie sehr mich dieser Mann retten würde. Und nein, ich meine damit nicht das gern verbreitete „Frauen müssen gerettet werden“ Bild. Er half mir vor allem, wieder nach vorn zu schauen und genießen zu lernen, an mich zu glauben, positiv zu denken, Spaß am Dating zu haben. Nach diesem Erlebnis fasste ich neuen Mut. Ein Zitat hat mich von da an durchweg begleitet (danke, Lia).

„There is freedom waiting for you on the breezes of the sky, and you ask: ‚What if I fall?‘ – Oh but my darling, What if you fly?“ (Erin Hanson)

Dieses Zitat bestärkte mich darin, mich bei einer Runde fremder Frauen anzumelden, um mit ihnen gemeinsam zum ersten Mal einen Fetischclub zu betreten. Die #FrauOenRunde war für mich in diesem Jahr ein einschneidendes Erlebnis. Für mein junges Alter habe ich sexuell schon so einiges erlebt und ausgekostet. Zum ersten Mal überschritt ich jedoch die Schwelle in das erotische Nachtleben, wovor ich bis dahin immer Respekt hatte. Halbnackt schlenderte ich durch das laute Berlin. Der Abend war insgesamt einfach perfekt und ich bin wahnsinnig froh, dass ich den Mut hatte, über meinen eigenen Schatten zu springen. Das war nicht leicht, aber hätte ich das nicht getan, wäre mir der Rest des Jahres verwehrt geblieben – und ich möchte keine einzige Erfahrung davon missen.

In 2019 war privat wie beruflich bei mir sehr viel los. Umso wichtiger war es, dass ich nun mein altes Selbstbewusstsein von früher wieder habe. Nein, ich würde sogar sagen, die Frau, die ich heute bin, ist stärker und schöner denn je. Noch nie begegnete ich mir mit derart viel Nachsicht und Selbstliebe wie in diesem Jahr. Ich fühle mich wohl in meinem Körper. Ich stehe hinter meinen Aussagen und Entscheidungen. Ich lebe das, was mich glücklich macht. Ich stehe zu mir selbst. 2019 war für mich also auch ein Jahr der Ehrlichkeit und Selbsterkenntnis.

Doch wenn ein Wort 2019 beschreiben müsste, dann wäre es wohl Mut. Ich war noch nie so mutig. Immer dann, wenn eine kleine Stimme in mir Angst hatte und sich wehrte, erinnerte ich mich an das oben genannte Zitat. Was, wenn ich fliege? Das werde ich erst wissen, wenn ich gesprungen bin. So viel Überwindung mich auch etwas kostete, ich sprang. Immer. Und ich bereue nichts. Dank Jonas erkannte ich, dass viele Schranken nur in meinem Kopf existierten. Mit genug Vertrauen in meine und die Fähigkeiten meines Sexpartners, konnte ich Sex ausgiebig genießen und mir gelang, was mir bis dahin immerzu schwer viel: Ich kam beim Sex. Warum das für mich immer eine Schwierigkeit darstellte, habe ich ebenfalls auf dem Blog beschrieben („Vom Sex ohne Höhepunkt„). Und das geschah mir in diesem Jahr noch mit zwei weiteren Männern bei Dates.

Zudem nahm Jonas mir jegliche Sorgen und feuerte meine Lust auf Analsex an. Ich war mutig, ich wollte es wissen und probieren. Schon viel zu lange hatte ich darauf gewartet und sein Schwanz war perfekt dafür. Da ich ihm vertraute, war das auch die richtige Entscheidung: Ich hatte in diesem Jahr zum ersten Mal Analsex und erweitere so mein sexuelles Repertoire. Das erste Mal hätte ich mir kaum schöner vorstellen können, es war genau richtig. Doch ich weiß auch, dass es sich gelohnt hat, damit auf den richtigen Moment zu warten, sodass ich anal genießen und lieben lernen konnte. Bei der zweiten #FrauOenRunde war ich schon deutlich entspannter und lief wie selbstverständlich im freizügigen kinky Outfit zu McDonalds. Allein das zeigte mir schon, wie sehr ich mich in den wenigen Monaten entwickelt habe.

So etwas wie Neid und Missgunst fühle ich schon lange nicht mehr. Diese Verhaltensweisen habe ich abgelegt. Ich vertrete die Werte, dass man sich gegenseitig etwas gönnt und so habe ich in diesem Jahr ebenfalls gehandelt. Nachdem ich mich also so selbstsicher wie nie fühlte und bereits zwei meiner lang ersehnten Träume abgehakt hatte, Fetischparty und Analsex, wollte ich mir einen dritten Wunsch erfüllen: Ein Hoteldate. Schon unzählige Male hätte ich solche Dates haben können, doch nie fühlte ich mich wohl bei dem Gedanken. Dann lernte ich einen Mann kennen, bei dem das Bauchgefühl von der ersten Sekunde an stimmte. Ich wusste: Mit dem kann ich das. Ich sprang über meinen Schatten, wir buchten uns gemeinsam ein Hotelzimmer und fuhren hin.

Auch wenn mein Herz platzte vor Aufregung, war es das alles wert. Dieses Date war wohl eines der besten Dates, die ich je hatte. Zu keinem einzigen Zeitpunkt würde ich die Entscheidung rückgängig machen, dieses Hotelzimmer zu buchen. Manchmal geschehen eben wundervolle Dinge, wenn man sich traut, über seine eigenen Abgründe zu springen. Manchmal wartet auf der anderen Seite das Leben, das man immer führen wollte. Angst limitiert mich nicht.

Neben all diesen Erfahrungen habe ich mich selbst völlig neu entdeckt. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass ich beim Sex squirten könnte? Auch wenn ich viele Veränderungen durchgemacht, Ängste überwunden und Schatten übersprungen habe, war es insgesamt eines der besten Jahre aller Zeiten. Es war nicht leicht, ich habe gelitten, geweint, gezittert – doch jede einzelne Sekunde war es wert, denn ich habe auch noch nie so sehr gelebt. Es gab so viele Augenblicke, in denen ich das pure Leben spürte. Momente, die mich mit jeder Faser meines Körpers im Hier und Jetzt erdeten. Situationen, die mich sprachlos zurückließen. Geschichten, die so abgefahren und wahnsinnig waren, dass ich mich danach fragte: Ist das wirklich noch mein Leben oder schon ein Film?

Rückblickend betrachtet hat mich jede einzelne Herausforderung stärker gemacht. Nach dem Regen kommt die Sonne und nach der Asche ein Phönix. Ich hatte so große Angst vor diesem Jahr, doch alles fügte sich irgendwie. Ich habe alles geschafft. Nun sitze ich hier und habe (wieder) Angst vor der Zukunft. Was 2020 wohl für mich bereithält? Ich weiß es nicht. Was mich tröstet ist jedoch der Gedanke, dass alles irgendwie seinen Weg gehen wird und so kommt, wie es kommen muss. Ganz egal, was da auf mich wartet: Ich denke, so ganz bereit bin ich nie, aber ich weiß, dass ich es sein werde, wenn es soweit ist.

„Also los, schreiben wir Geschichten, die wir später gern erzählen. Und eines Tages, Baby, werden wir alt sein. Oh Baby, werden wir alt sein und an all die Geschichten denken, die für immer unsere sind.“ (Julia Engelmann)

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