#FrauOenRunde I

Es war eine spontane Entscheidung, aus dem Bauch heraus. Als ich das erste Mal von der #FrauOenRunde las, sagte ich mir: Nein, das schaffst du zeitlich nicht und es wäre nicht vernünftig hinzufahren. Eine Gruppe fremder Frauen, die sich in der Hauptstadt treffen, um gemeinsam eine erotische Party in einem Sexclub zu besuchen? Wirklich verlockend, aber nein. Ich kann nicht. Schon seit längerer Zeit dachte ich darüber nach, ein sexpositives Event zu besuchen, doch bisher fehlten mir immer passende Begleiter, weshalb dieser Wunsch nur eine weitere unerfüllte Fantasie blieb. Nein, das wäre wirklich zu verrückt, das werde ich mich niemals trauen – und was ist, wenn doch?

Organisiert wurde das Ganze von der lieben Ophelia, deren Reise ich nun schon eine ganze Weile via Twitter begleite. Der Gedanke hinter der #FrauOenRunde war, Einsteigerinnen, die bisher noch zu schüchtern, ohne Begleitung oder was auch immer waren, die ersten Schritte in die erotische Clubszene zu erleichtern. Eine Art Stammtisch auszurichten, um ein Netzwerk aufzubauen und sich auszutauschen. Eigentlich war ich genau die Art Frau, an die sich dieses Angebot richtete. Was also hielt mich davon ab? Ich las von der zunehmenden Euphorie einiger Teilnehmerinnen und begann zu grübeln. Es war nicht das Geld, das nötig war, um dorthin zu kommen. Es war nicht die Zeit, die ich brauchen würde, bis ich dort wäre. Es war Angst. Ich hatte Angst, diesen Schritt zu gehen.

Die Angst lähmte mich geradezu. In meinem Kopf wüteten zahlreiche Szenarien wie tobende Tornados. Was da alles schiefgehen könnte. Doch tief in mir drin wusste ich, wenn ich diesen Schritt nicht wagen würde, würde ich es bereuen. Wenn ich daheim säße und die Nachrichten der anwesenden Damen lesen würde, wäre ich enttäuscht von mir und meiner Feigheit. Also nahm ich all meinen Mut zusammen und schrieb der Veranstalterin. Überrascht ob ihrer Freude über meine geplante Anwesenheit, fühlte ich mich direkt willkommen. Ja, das wird ein großer Schritt und es gibt noch viel zu tun, dabei bleibt nur wenig Zeit. Noch am selben Abend buchte ich mir voller Mut einen Zug, damit ich nicht doch noch einen Rückzieher machen würde. Als schließlich die Buchungsbestätigung und auch die erste Nachricht von Ophelia per Mail kamen, bekam ich plötzlich Panik. Scheiße, du machst das ja wirklich?

Man bereut nur die Dinge, die man nicht getan hat

Da ich mich schon eine Weile mit der Szene beschäftige, war es für mich kein Problem, ein passendes Outfit zu finden. Ich musste nichts kaufen, mein Kleiderschrank gibt genug kinky Kleidung her. Doch genau das machte es so schwer: Ich hatte zu viel Auswahl und noch keine Ahnung, was man in einem solchen Nachtclub so trägt. Nachdem Frau O mein Outfit abgesegnet hatte, war ich beruhigter. Zug ist gebucht, Sachen sind gepackt, Schlafmöglichkeit vorhanden. Kurz durchatmen. Was ist, wenn die anderen Mädels mich nicht mögen? Was ist, wenn ich in die falsche S-Bahn steige? Was ist, wenn ich den Umstieg vermassele? Großstädte rauben mir immer vollkommen die Orientierung und Sicherheit. Der Lärm, die Hektik, der Verkehr, die Unfreundlichkeit der Menschen… Stopp. Das reicht. Ich nehme Anlauf, atme tief durch, schaue entschlossen nach vorn – und springe.

„What if I fall?“ – „Oh but my Darling, what if you fly?“

Ich verabschiede meinen Liebsten und fahre los. Da ich häufig Bahn fahre, bereitet mir der Teil keine Probleme. Nach einiger Zeit komme ich schließlich in der Hauptstadt an. Ein mir liebgewonnener Freund holt mich vom für mich viel zu großen Bahnhof ab. Ich war in dem Moment sehr glücklich darüber, ihn zu sehen und er erleichterte mir meine Ankunft enorm. Dazu in einem anderen Blogbeitrag mehr. 😉 Berlin war an dem Wochenende heißer als erwartet. Wir fuhren mit der Bahn zu ihm nach Hause und verbrachten noch einen entspannten Nachmittag und Abend zusammen mit seiner Familie. Bis hierhin ist alles gut gegangen, ich war nicht nervös und alles war einfach nur schön. (An dieser Stelle möchte ich Dir und Euch einmal mehr von Herzen für Eure Gastfreundschaft danken, N. – Du hast mir an diesem Wochenende sehr viel Halt gegeben und mir mehr als gut getan. ❤)

Am nächsten Morgen startete ich mit einem schönen Frühstück in den Tag. Ich legte mich in die Badewanne und genoss einen Augenblick die Ruhe. In diesem Augenblick war ich tiefenentspannt. Wir waren danach noch viel draußen, ein bisschen Kultur in der Stadt genießen und abends wieder zurück. Ich hatte rundum einen schönen Tag. Abends bekochte N. mich, während ich mich in seinem Schlafzimmer für den Abend fertig machte. Fuck. Ich bekam Herzklopfen und spürte das Adrenalin durch meine Adern rauschen. Da war sie, die Aufregung, von der ich dachte, ich hätte sie längst überwunden, als ich angekommen war. Ausgerechnet heute ist ein Bad Hair Day. Egal, ich könnte eh nichts daran ändern. Ich setzte mich in die Küche, aß mit ihm und seiner Familie zu Abend und dann packte ich meine Sachen. Nun sollte der Teil folgen, der mir am meisten Angst gemacht hat: Ich allein in der Großstadt.

Die erste Bahn hatte ich glorreich verpasst. Ich würde zu spät sein, das war klar. Scheiße, Scheiße, Scheiße! Der Gedanke, hereinzukommen, während alle schon sitzen und mich anstarren, bereitete mir Magenschmerzen. Ich versuchte mich zu beruhigen. Du kannst eh nichts mehr daran ändern, nimm es so an, wie es ist. Also stieg ich in die nächste Bahn und fuhr los. In der Bahn las ich, dass auch Ophelia selbst zu spät sein würde, was mir enorm den Druck nahm. Es war dunkel, überall waren Menschen, Lichter, Autos, Straßenmusiker… ohne die Hinweise von N. und Google Maps wäre ich vermutlich aufgeschmissen gewesen. Trotz alledem bin ich übrigens mehrfach an der ersten Location vorbeigelaufen. Selbstredend.

_________________________

Da der Beitrag sehr lang und ausführlich geworden ist, habe ich mich dazu entschieden, ihn in zwei Teilen zu veröffentlichen. Der zweite Teil ist schon fertig und folgt.

Ein Kommentar zu „#FrauOenRunde I

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s