Der Segler (27) – #SMBlogparade

Ich habe lange überlegt, worüber ich meinen Beitrag für die #SMBlogparade, bei der ich diesem Jahr zum ersten Mal teilnehmen darf, schreiben möchte. Das Thema der sechsten Blogparade ist Kommunikation beziehungsweise Social Media. Gleichzeitig wollte ich eine nahtlose Verbindung zu meinem Blog schaffen – also erzähle ich euch heute von einem jungen Mann, den ich im Sommer kennengelernt habe, dessen Blogbeitrag aber stets in meinen Entwürfen schlummerte. Aufmerksame Vögelchen dürften ihn bereits aus einigen meiner Tweets kennen: Den Segler.

Seit mittlerweile acht Jahren bin ich aktive BDSMlerin. Ich switche, wobei ich in den meisten Fällen die Gerte selbst in der Hand halte – oder hielt, aber das ist eine andere Geschichte. Den Segler lernte ich über den Joyclub kennen. Er schrieb mir ganz klassisch eine Nachricht und ich fand sein Profil nett und sympathisch. Wir schrieben ein wenig hin und her und bemerkten schnell, dass die Chemie zwischen uns stimme. Der Segler ist groß, über 1,90 m, hat sehr ausdrucksstarke, helle Augen. Seine Figur ist sehr schmal, schmächtig beinahe. Optisch erinnerte er mich an einen mir sehr nahe stehenden Menschen, weshalb ich ihm gegenüber direkt positiv gestimmt war. Ich kann nicht leugnen, dass vor meinem inneren Auge ein Kopfkino mit den beiden und mir in der Hauptrolle erschien. Ich, die kleine Dom, die zwei großen Männer zu meinen Füßen kauernd. Ein wohliges Kribbeln machte sich in mir breit: Ich wollte ihn kennen lernen.

Das Kennenlernen

Es brauchte nicht viel Überzeugungsarbeit. Sein Interesse an mir war ebenso groß wie meines und so verabredeten wir uns in einem Café. Er erwartete mich bereits vor der Tür, um mich halb schüchtern, halb verträumt zu begrüßen. Mein erster Eindruck war, dass er sich seiner Ausstrahlung nicht bewusst war. Ich bewegte mich in Richtung Tür. Prompt trat er vor mich, um sie mir zu öffnen. Ich lächelte. Da ist aber jemand gut erzogen …

Während der Segler in der Karte blätterte, musterte ich ihn. Meine Gegenwart machte ihn sichtlich nervös. Da ich wusste, dass er devot veranlagt und somit an meiner dominanten Seite interessiert war, trug ich schwarze Kunstlederstiefel, eine Leggings im Wetlook, ein Dessous mit Halsteil und roten Lippenstift – ganz Madame eben. Ich wollte mich wohlfühlen und das strahlte ich anscheinend auch aus. Die Fronten zwischen uns waren direkt geklärt und er wirkte von Beginn an eher unterwürfig. Als die Bedienung kam, bestellte er sich einen Kaffee, ich wählte einen hausgemachten Eistee.

Ich könnte dich nun bitten, etwas von dir zu erzählen, aber wir sind hier nicht bei einem Bewerbungsgespräch.“ – „Das beruhigt mich, ich bin aber mindestens genauso nervös wie bei einem“ , antwortet er mir. Ich muss lachen. „Dafür gibt es keinen Grund. Wir spielen nicht, wir lernen uns kennen. Ich möchte wissen, wer du bist. Gut, wir haben uns online in einer Erotik-Community kennengelernt. Jetzt gerade sind wir jedoch bloß zwei junge Menschen in einem Café.“ Ich konnte förmlich sehen, wie sich seine Gesichtszüge entspannten und ihm ein imaginärer Stein vom Herzen fiel. Sein Körper wirkte direkt viel gelassener, so auch seine Ausstrahlung. „Das freut mich gerade unfassbar, Lexa! Ich hatte schon Angst.“ Aber Angst wovor?

Die Offenbarung

Nach einigen Fragen über Privates, Beziehungskonstellationen, Familienhintergründe und berufliche Orientierung kamen wir schließlich auf das Thema Erfahrung zu sprechen. Der Segler offenbarte mir nach einigem Zögern, warum er so große Angst hatte. Es hat seine Gründe, warum er eine der wenigen Personen auf meinem Blog ist, die keinen Namen haben. Er hat sich mir devot anvertraut und ich möchte ihn beschützen. Als Dom oder Top sehe ich das als meine Pflicht an. Aus dem gleichen Grund werde ich auch nicht detailliert erörtern, was ihm widerfahren ist. Ich war in jedem Fall schockiert und konnte nur zu gut nachempfinden, warum er so große Vorsicht bei neuen D/s-Konstellationen hat.

Kurz: Er ist an die falsche Dom geraten, hat sich online von ihr dominieren lassen und sie hat diese Machtposition ausgenutzt. Leider erlebe ich es häufig, dass sich insbesondere devote Männer schnell auf neue Frauen einlassen, da die Auswahl an dominanten Frauen nicht allzu groß ist. Zu stark ist der Wunsch danach, endlich wieder dominiert zu werden und so werden Abstriche gemacht oder Grenzen überschritten, die normalerweise nicht überschritten werden dürften. Es kostete ihn sehr viel Überwindung darüber zu sprechen. Ich merkte, dass er sehr erleichtert wirkte, als ich sagte: „Mach dir keine Sorgen, wenn du das hier willst, dann werden wir vorher über alles sprechen. Deine Grenzen sind dann auch meine.“ Gerade nach solchen Erfahrungen muss man als Dom Fingerspitzengefühl beweisen. Zu wenig ist da erst einmal besser als zu viel und eine Steigerung auch später noch möglich.

Ein schüchterner Charmeur

Um das Date wieder etwas aufzulockern, sprachen wir über sein größtes Hobby: Das Segeln. Sein Spitzname für den Blog war schnell gefunden. Das Glitzern in seinen Augen, als er davon sprach, begeisterte mich direkt mit. Mein Eistee leerte sich und die Zeiger der Uhr sprangen voran. Eh ich zur Toilette verschwinden konnte, wirkte er plötzlich wieder sehr schüchtern. „Was ist los?“ , frage ich. „Darf ich dich heute einladen? Ich möchte mich aber nicht aufdrängen, falls du lieber selbst zahlen möchtest.“ Ich lächelte und nickte ihm zu. Als ich aufstand, streichelte ich mit meinen Fingernägeln sanft seinen Rücken entlang, was er mit einem Lächeln erwiderte. Seine Schultern entspannten sich wieder. Der Gedanke, dass ich ihn so schnell beruhigen konnte, ehrte mich.

Wir gingen danach noch eine Weile spazieren und sprachen viel über Ängste, Vorstellungen, Wünsche und wo das alles hinführen könnte. Die Offenheit zwischen uns tat ihm sichtlich gut. Zum Abschied fragte er schüchtern, ob er mir einen Kuss auf die Wange geben dürfte. Ich musste lächeln, zog ihn an seiner Jacke zu mir herunter und küsste ihn auf den Mund.

Der Umgang mit den Ängsten

Da ich wusste, dass er sich eine Spielbeziehung wünschte, war es mir wichtig, seinen seelischen Ballast zu kennen. Ich zwang ihn nicht darüber zu sprechen, aber er schien mir direkt zu vertrauen. Der Vorteil davon ist, dass ich nicht unwissentlich Grenzen überschreite und ihn so verletze. Bei Subs mit einer Vorgeschichte ist es wie mit Wunden: Versehentlich gegen kommen tut trotzdem weh. Du versuchst alles, um zu verhindern, dass die Wunde größer oder tiefer wird. Stattdessen pflegst du sie, desinfizierst sie, salbst sie ein, bis sie schließlich kleiner wird und nur noch eine Narbe bleibt, die du zärtlich streicheln kannst.

Doch warum erzähle ich das im Kontext der #SMBlogparade? Kommunikation ist für mich der Grundstein des BDSM. Ohne die kenne ich meinen Rahmen nicht, ich brauche klare und offene Worte. Wenn sich mir jemand anvertraut, dann möchte ich ihm das Gefühl geben, er würde gehalten. Umgekehrt erwarte ich auch, wenn ich mich fallen lasse, dass ich gefangen werde. Wenn ich die Geschichte eines neuen Spielpartners kenne, kann ich Rücksicht nehmen und gewisse Dinge vorsichtiger angehen. Nur so macht es für beide Seiten Spaß – und BDSM ist ja letztendlich Genuss.

Fazit: Der Segler ist ein schüchterner Mann mit Manieren und sehr schönen Augen. Seine Offenheit imponierte mir sehr. Kurz nach unserem Treffen hat er jemanden kennengelernt, weshalb wir unser zweites Treffen auf Eis legten. Mittlerweile schrieb er mir eine Nachricht, dass es mit der Frau leider nicht geklappt hätte. Sehr schade, ich hätte es ihm gewünscht. Wir beschränkten uns daher für den Anfang auf Online Domination und wollen im kommenden Jahr das zweite Treffen ansetzen – und spielen. Ich bin gespannt, wohin der Wind uns tragen wird …

 

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Dieser Beitrag entstand im Rahmen der #SMBlogparade. Die Beiträge der anderen teilnehmenden Autorinnen und Autoren findet ihr hier:

19.11. Margaux Navara
22.11. The Training of O
26.11. Tanja Russ
29.11. Dark Paige
03.12. Sofies geheime Welt
06.12. Leyla Femme
10.12. Whispered Stories
13.12. Madame Herzlos (siehe oben)
17.12. Tomasz Bordemé
20.12. Die Gespielin
23.12. LessDressedStories

5 Kommentare zu „Der Segler (27) – #SMBlogparade

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