„Sie wollte es doch auch“

Anlässlich der Diskussion um die Vorwürfe gegenüber Luke Mockridge, die sich unter dem Hashtag #KonsequenzenFuerLuke sammeln, werden viele Menschen derzeit mit dem unbequemen Thema des Missbrauchs konfrontiert. Missbrauch hat viele Gesichter und diesem Fall lacht es seine möglichen Opfer hämisch an, wenn sie nur den Fernseher einschalten. Ob an den Vorwürfen etwas dran ist, wird sicherlich überprüft werden. Zu häufig lese ich jedoch in Kombination mit derlei Vorwürfen Sätze wie: „Sie wollte es doch auch, jetzt bereut sie es nur und lügt“ oder „Die will nur in die Öffentlichkeit“. Hier deshalb nun ein Erfahrungsbericht einer Betroffenen, der einigen da draußen hoffentlich die Augen öffnet.

Triggerwarnung!

An dieser Stelle möchte ich eine Triggerwarnung aussprechen. Wenn du Derartiges erlebt hast, solltest du diesen Text nur lesen, wenn du dich in einer guten Verfassung befindest oder dir das selbst zutraust. Achte auf dich und mute dir nicht zu viel zu. Ich werde eine sehr persönliche Geschichte teilen, über die ich nur ungern rede, auch privat nicht. Aber der Umgang einiger mit diesem Thema stößt mir derart sauer auf, dass ich nicht länger schweigen will. Denn anders werden einige Menschen das niemals verstehen. Ich werde keine Namen nennen und das wird auch keine Hetzjagd nach sich ziehen. Kaum jemand hier weiß, von wem ich spreche. Zudem ist das Geschilderte juristisch gesehen bereits verjährt, ich zerstöre mit diesem Beitrag niemandes Leben. Ihr könnt beruhigt sein. Hier nun also mein Seelenstriptease – nur wenig sexy, wenig erotisch und alles andere als angenehm.

Alles fing ganz harmlos an

Ich war noch sehr jung, als wir uns kennenlernten. Bereits früh war dieser Junge mir aufgefallen. Er war eine Stufe über mir. Blond, süße Surferfrisur – wie alle Jungs zu dieser Zeit eben. Nachdem er einmal sitzen geblieben war, war ich total fasziniert von ihm. Der Bad Boy mit der Gitarre, der keinen Bock auf Schule hatte. Ich war zu dem Zeitpunkt 12 Jahre alt. Über die sozialen Medien kamen wir in Kontakt. Damals war noch alles sehr unkompliziert: Nachdem wir feststellten, dass wir beide den anderen ziemlich süß fanden, wurden wir ein Paar. Ich hatte bereits zuvor einen Freund gehabt, doch er war meine erste ernstzunehmende Beziehung. Das mögen einige nun belächeln. 12 Jahre, wie süß, da spielen andere noch mit Puppen! Ja, das habe ich auch. Das hielt mich aber nicht davon ab, mich wie die Frau fühlen zu wollen, zu der ich langsam wurde. Ich wollte erwachsen sein. Ich wollte als erwachsen wahrgenommen werden – und ich tat erwachsene Dinge, die ich vielleicht nicht hätte tun sollen.

Die ersten Warnzeichen

Rückblickend betrachtet gab es schon früh Warnzeichen, die ich ignoriert habe. Er sagte mir, er wäre bereits sehr erfahren. Da er älter als ich war und sehr souverän in seinem Auftreten, glaubte ich ihm das. Er hätte schon alles Mögliche erlebt, Sex mit mehreren verschiedenen Frauen (nicht gleichzeitig), er hätte schon geleckt, Blowjobs bekommen… Ich hatte zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal einen Jungen mit Zunge geküsst. Ich war auch noch nicht so mutig, das schon zu tun und sagte ihm das. Er wusste es und versprach, mir die Zeit zu geben. Nach einem Monat Beziehung waren wir zusammen mit zwei Freunden im Kino. Seine Hand ruhte dabei auf meinem Bein. Ich war aufgeregt, aber es war ok. Während des Film tippte er mir auf die Schulter. Da ich dachte, dass er mir etwas sagen wollte, drehte ich meinen Kopf zu ihm – und er küsste mich. Einfach so, ohne Vorwarnung. Er tat es in vollem Wissen darüber, dass ich mich noch nicht bereit dazu fühlte. Ich ging darauf ein. Von da an wollte er es immer wieder und ich gab nach. Dieser Junge hatte schließlich schon viel erlebt, ich wollte mithalten können und ihm beweisen, dass ich nicht langweilig war. Ich war so naiv.

DIe Treffen wurden intimer, der druck größer

Jedes einzelne unserer Treffen verbrachten wir von da an rummachend auf dem Sofa. Wir taten eigentlich nichts anderes mehr. Nach einigen Wochen wurde ihm das zu langweilig und er wollte mehr. Er erzählte mir von einer kurzen Reise, die bevorstand. „Dann sehen wir uns erst einmal eine Weile nicht. Da dachte ich, wie wäre es mit einem Abschiedsgeschenk?“ Ich verneinte, fühlte mich unwohl. Er führte meine Hand zwischen seine Beine, ich zog sie wieder hoch. Er tat es zwei weitere Male. „Du musst keine Angst haben“, sagte er. Also begann ich, seinen Schwanz durch die Shorts zu streicheln. Zum ersten Mal in meinem Leben spürte ich einen harten Schwanz an meiner Hand. Das Gefühl war neu und aufregend. Bis dahin gefiel es mir.

Dann nahm er meine Hand und führte sie in seine Shorts. Es war zu viel. Ich war unsicher und wusste nicht recht, wie ich aus der Situation kommen sollte. Als ich meine Hand herausziehen wollte, packte er sie und presste sie fester um seinen Schaft. „So, ganz genau. Einfach weiter so.“ Ich erstarrte und hielt krampfhaft meine Hand in dieser Position, während er sein Becken bewegte und meine Hand fickte. Keine Ahnung, wie lang es dauerte. Mir kam es wie eine Ewigkeit vor. Ich traute mich nicht mehr abzubrechen, hatten die anderen Mädchen ihm doch viel mehr geboten. Also hielt ich es aus. Endlich wurde es warm und nass an meiner Hand.

Nach seinem Orgasmus blieb ich erstarrt, sodass er meine Hand für mich aus seiner Hose nahm. „Das war sehr schön“, sagte er und küsste mich, ehe er ins Bad lief. Ich lag dort, sah ungläubig meine Hand an und den Fleck, den ich hinterlassen hatte, nachdem ich sie in seinem Bett abwischte. Ich fühlte mich seltsam. Doch die Neugierde überwog, also leckte ich meine Hand ab. Wie Sperma wohl schmecken mochte? Diese Gelegenheit hatte ich noch nie zuvor. Und überhaupt war schon ok, was gerade passiert war, schließlich war er ja mein Freund und das gehört nun einmal dazu. Oder? Als er wieder ins Zimmer kam, sagte ich ihm, dass ich früher abgeholt werden müsse. Tatsächlich hatte ich meiner Mutter geschrieben, dass ich mich nicht gut fühlte und ob sie mich schon holen könnte.

A night to remember

Es folgten weitere zahlreiche Treffen, darunter auch erste Erfahrungen mit fingern, wobei ich es heute eher als wildes Gestochere bezeichnen würde. Mein Ex-Freund war rückblickend betrachtet in vielerlei Hinsicht schwierig: Druck, emotionale Erpressung, Manipulation, toxisches Verhalten in Bezug auf Aufmerksamkeitsentzug etc. Ich hätte die Zeichen erkennen und gehen müssen. Doch ich war jung, ich war verliebt. Er war älter und angesehen. Ich fühlte mich wahnsinnig cool. Doch zu welchem Preis? Aus Angst, dass wir miteinander schlafen könnten, lies meine Mutter uns nie allein schlafen. Aber Übernachtungsparties mit mehreren Leuten waren in Ordnung. Eines Nachts lagen wir knutschend da und er rieb sich an mir, streichelte mich. Er fragte mich regelmäßig bei unseren Treffen nach meinem Lustlevel auf einer Skala, das war unser Ding. In dieser Nacht tat er es wieder. „Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie viel Lust hast du gerade?“ Ich war erregt, ich fühlte mich wohl, es war aufregend zu fummeln, obwohl wir nicht allein waren. „10“ , sagte ich und grinste ein wenig. Daraufhin stand er plötzlich auf und ich sah ihm verwirrt hinterher. Er vergewisserte sich, dass alle schliefen – und dann hörte ich das Knistern der Kondompackung. Fuck.

Er wollte Sex. Er dachte, ich wollte mit ihm schlafen. Ich hatte zwar Lust, war aber noch lange nicht so weit. Zudem waren wir nicht allein. Was, wenn uns jemand bemerkt? Ich war angespannt, mein ganzer Körper zog sich zusammen. Ich wusste, er hatte mich missverstanden, doch wie sollte ich mich erklären? Ich konnte in seinem Gesprochenen hören, wie er lächelte. Seine Freude war riesig. Wenn du jetzt einen Rückzieher machst, dachte ich, dann verlierst du ihn. Das wollte ich auf keinen Fall. Ich war verliebt. Lass es einfach geschehen, es kann schon nicht so schlimm sein. Also lag ich auf dem Rücken, die Beine gespreizt. Ich lag streng genommen wie ein erstarrter Käfer und nichts an mir war wirklich einladend, aber er bemerkte es nicht.

Als er versuchte in mich einzudringen, gelang es ihm nicht – meine Vagina hat dicht gemacht. Ich war derart angespannt und in Panik, dass meine Muskeln verkrampften. Heute weiß ich, dass das passieren kann und kein Drama ist – wenn man wartet und sich lockert. Er dachte nicht daran. Mein damaliger Freund hielt diesen Widerstand für mein Jungfernhäutchen, das reißen würde, wenn man nur fest genug drückte. Er presste sich also mit Gewalt in mich. Die Tränen rannen mir vom Gesicht. Ich wimmerte und atmete den Schmerz weg. „Nicht“ , sagte ich leise. Ich konnte nicht laut sein, das hätte die anderen geweckt. „Nicht, bitte.“ Er fuhr fort. Ich hatte Höllenschmerzen. Ich blutete, da ich angesichts der Anspannung kaum noch nass war. Mir tat alles weh. Er presste weiter seinen harten Schwanz mit Druck in mich, gegen meine Muskeln. Ich weinte, die ganze Zeit. Er merkte nichts. „Nicht…“ , wimmerte ich wieder. Er ließ von mir ab, rollte sich zur Seite und gab mir einen Kuss auf die Wange. „Jetzt bist du keine Jungfrau mehr.“ Ich rollte mich ein und weinte. Dieser Satz, seine Stimme, die Tonlage, der Duft seiner Wäsche haben sich bis heute in mein Gehirn gebrannt. Ich habe sie nie vergessen. Er war 15 Jahre alt, ich war 12.

Was war passiert?

Kurz nach unserem ersten Sex wollte ich ihn nicht mehr sehen. Wir trafen uns seltener, alle Annäherungsversuche blockte ich ab. Es dauerte nicht lang, knapp einen Monat später folgte die Trennung. Ich wollte nie wieder in meinem Leben mit einem Jungen schlafen. Wenn das dieser Sex war, von dem alle so himmelhochjauchzend sprachen, dann wollte ich ihn nicht. Nie mehr. Meine Familie fragte immer wieder nach ihm. Über all die Jahre hatten wir immer mal wieder sporadisch Kontakt. Alle zwei Jahre ein Treffen und jedes einzelne Mal endete es damit, dass er mit mir schlafen wollte. Ich zog mich an und ging. Jedes Mal. Bei unserem letzten Treffen sagte er mir dann, als er mich nach Hause fuhr, ehe ich aus seinem Auto ausstieg: „Ach übrigens, du warst die Erste.“ Knapp 6 Jahre später erzählte er mir, dass all seine Aussagen über die anderen Frauen gelogen waren. Er erfand sie, um cool zu wirken, damit ich früher mit ihm schlafe. Ich kleines naives Mädchen bin darauf hereingefallen. Diese Aussage hat alles noch hundertmal schlimmer für mich gemacht. Zu wissen, dass ich mich nicht nur habe drängen lassen, sondern von Lügen habe unter Druck setzen lassen. Ich war fassungslos.

All die Jahre über trug ich diese Geschichte mit mir herum. Meine Geschichte. Er erzählte derweil munter seine Variante und prahlte von da an herum, dass er schon Sex gehabt hätte. So erzählte man mir zumindest. 9 Jahre nach unserem Sex schrieb ich ihn erneut an. Ich wollte Klartext reden und er sollte das wissen. Er reagierte überraschend verständnisvoll, war sich dem Ernst der Lage aber nicht wirklich bewusst. Und ich? Ich dumme Gans nahm ihn in Schutz. Ich relativierte meine Aussagen, suchte die Schuld bei mir, tröstete ihn. Ich liebte diesen Mann einmal und nach allem, was er getan hat, konnte ich ihn noch immer nicht hassen. Ich hatte auch überhaupt keine Vorstellung davon, was genau da eigentlich mit mir passiert ist. Heute kann ich das einordnen.

Das BÖSE Erwachen

Erst knapp 10 Jahre nach meinem ersten Mal wurde mir bewusst, was da eigentlich genau passiert war: Ich wurde missbraucht. Heute würde ich das ganz klar so sagen. Ich wurde genötigt und missbraucht. Ich hatte Schmerzen, ich habe geweint, er hätte es merken müssen. Ich habe zu keinem Zeitpunkt gesagt: Ja, ich will mit dir schlafen. Ich habe ihn gebeten aufzuhören – nicht konkret, aber so gut es mir in dem Augenblick möglich war. Ich habe ein Trauma davongetragen und hatte jahrelang Angst vor Nähe, Zärtlichkeit und sexueller Interaktion. Ich war entfremdet von meiner Vulva und Vagina, wie ich einst beschrieben habe. All das habe ich dieser Beziehung zu verdanken. Mittlerweile habe ich das Meiste davon überwunden. Ich bin ein sehr sexpositiver Mensch, ich genieße Sex, bin offen, experimentierfreudig, kann vertrauen. Gewisse Handlungen kann ich bis heute aber nur mit sehr viel Vorlauf und Vertrauen machen. Selbst bei meinem Partner triggern mich manche Augenblicke beim Sex und wir brechen ab. Es ist selten, aber es kommt noch heute teilweise vor.

Warum ich nichts gesagt habe? Ich wusste es nicht. Ich habe mir jahrelang gesagt, dass es ja mein Freund war und mein Partner kann mich ja nicht vergewaltigen – dachte ich. Doch, natürlich kann er. Genauso wie es ein Ehemann, eine Stiefmutter oder ein Onkel kann. Ich habe geschwiegen, weil ich mich geschämt habe. Wem hätte ich es sagen sollen? Meiner Mutter, die verhindern wollte, dass ich so früh schon Sex habe? Den Menschen, die anwesend waren? Meinen Freundinnen, die fast alle noch nicht so weit waren wie ich? Ich schämte mich und dachte zudem, es wäre nicht falsch gewesen. Ich hatte Schmerzen, ja, aber so ist halt Sex. Nein, so ist er nicht und sollte er nicht sein. Aber das konnte ich nicht wissen. Zudem liebte ich diesen Menschen. Er liebte mich doch auch und hätte mir nichts böses gewollt, oder? Doch, denn das eine hat mit dem anderen nicht immer etwas zu tun. Und wenn ich es mal erzählt habe, wurde es entweder nicht ernst genommen, mir gesagt, dass ich übertreibe, ja hätte nein sagen können, ich selbst schuld sei oder man sich das gar nicht vorstellen könne. Er sei doch so ein Lieber.

„Frauen lügen für den Ruhm“

Ich will nicht aufzählen, wie viele Vergewaltigungen überhaupt angezeigt werden. Wie viele davon aufgeklärt werden mal ganz zu schweigen. Ich will auch nicht sagen, dass es keine Frauen (beziehungsweise generell Menschen) gibt, die jemanden fälschlicherweise des Missbrauchs bezichtigen. Natürlich ist jeder solange unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen wird. Das ist gut und richtig. Manchmal kann das Gegenteil aber gar nicht (mehr) bewiesen werden. Die Tat ist vielleicht verjährt, nicht mehr nachweisbar, es steht Aussage gegen Aussage. „Warum ist sie dann nicht direkt zur Polizei gegangen?“ Das ist ein traumatisches Erlebnis, das man erst einmal verarbeiten muss. Viele Betroffene – und ich sage das bewusst offen, denn nicht nur Frauen sind Opfer – sind emotional am Ende und haben nicht die Kraft, sich mit Behörden auseinanderzusetzen. Noch heute fallen selbst von Beamten Sprüche wie: „Aber er ist doch Ihr Partner!“ Unter dem Hashtag #metoo gab es dutzende Beiträge darüber, dass Betroffenen auf der Polizeidienststelle nicht geglaubt wurde. Ich denke, nichts ist schlimmer in dem Augenblick. Allein dadurch kommen viele Anzeigen gar nicht erst zustande.

Wenn es sich nun auch noch um eine bekannte Täterperson handelt, in diesem Fall ein Mann aus der Comedy-Szene, gestaltet sich das Ganze noch schwieriger. Die Person steht im Rampenlicht, hat viele Fans, ist quasi unantastbar. Es laufen viele Verträge, große Firmen, Sender und Manager*innen werden diese Person schützen, denn an ihr hängt viel potentielles Geld. Medien warten nur auf derartige Schlagzeilen und recherchieren. Wer ist die beschuldigende Person? So wird das Opfer, das ohnehin schon unter der Situation leidet, ins Rampenlicht gezerrt und will eigentlich genau das Gegenteil: Seelenfrieden und Ruhe. Gerechtigkeit. Schutz anderer, damit das nie wieder jemandem passiert. Und dann gibt es da noch die Fanbase, die am laufenden Band zum Star halten wird – obwohl das „On Screen“- und das „Off Screen“-Gesicht stark voneinander abweichen können und Fans nur die halbe Wahrheit kennen.

Fazit

Vielleicht ist besagter Promi also unschuldig – vielleicht aber auch nicht. Es ist nicht an einem wütenden Internetmob, das zu beurteilen. Klar ist, ist, dass die Sachlage überprüft werden muss. Was ich jedoch zutiefst verurteile, sind all diejenigen Menschen, die mit Argumenten ankommen wie: „Sie wollte es doch auch und jetzt lügt sie, um berühmt zu werden / weil es ihr peinlich ist / weil sie es bereut / hier beliebigen Grund einfügen.“ IHR seid der Grund dafür, dass so viele Missbräuche nicht ernst genommen werden und ewig unter dem Radar fliegen. Und schöner als mit diesem Tweet könnte ich den Blogbeitrag nicht zusammenfassen:

6 Kommentare zu „„Sie wollte es doch auch“

  1. Hat dies auf Kall's Einwürfe rebloggt und kommentierte:
    Nein sie und die vilen anderen wollten es nicht auch.
    Nein heißt Nein, aber auch ein „Nicht“ oder „hör auf“ heißt Nein und weinen sowieso, egal wann, und nicht nur „vorher“.

    Gefällt mir

  2. das, so denke ich, war jetzt sehr offen und mutig. aber auch wichtig. ich glaube aber, dass diejenigen, die es lesen sollten, hier eher selten vertreten sind. schade drum. danke.

    Gefällt mir

  3. „Nachdem er einmal sitzen geblieben war, war ich total fasziniert von ihm. Der Bad Boy mit der Gitarre, der keinen Bock auf Schule hatte.“

    Typisch: Arschloch wollen und dann sich wundern, dass er sich wie Arschloch verhält.

    Gefällt mir

    1. Typisch: Schuldverschiebung in Richtung der geschädigten Person. In dem jungen Alter spielen bei der Partnerwahl Dinge wie Aussehen und Prestige eine große Rolle. Nur, weil jemand keine Lust auf Schule hat, muss er zudem noch lange kein Arschloch sein.

      Gefällt mir

  4. Hey Madame,
    ich habe gerade den Text gelesen, und wow, es liest sich wie meine eigene Geschichte. Ich war zwar schon ein paar Jahre älter als du damals, und er war doppelt so alt wie dein Ex, aber für mich waren es auch die ersten Erfahrungen, und es deckt sich einfach alles.. Wie er immer wieder das eine wollte. Wie ich immer versucht habe, nicht allein mit ihm zu sein. Wie er es immer dennoch versuchte, trotz der Leute drumherum. Wie ich mich teilweise schlafend stellte und ihn das nicht interessierte. Wie ich mal angetrunken im Zelt lag und nur ausnüchtern wollte, und ihn auch das nicht interessierte. Wie ich immer wieder leise weinte und ihm, als er es mal bemerkte, sagte, dass ich wegen Schule oder Familie oder sonst was traurig wäre, weil ich mich nicht traute, ihm die Wahrheit zu sagen. Wie er dann trotzdem weitermachte. Wie er abends, wenn wir mit Leuten verabredet waren, erstmal mit mir im Auto ungefragt an den dunklen Straßenrand fuhr, „ach, wir haben doch noch ein bisschen Zeit“, und ich überall seine Hände ertragen musste. Wie einmal sogar langsam die Polizei am abgestellten Auto vorbeifuhr und reinschaute, und er sich dann brav hinsetzte, weil ich ja noch minderjährig war, und ich dachte „Bleibt stehen, schaut mal rein, oder bleibt in der Nähe, bis er die Lust verliert und weiterfährt“ … Wie er meine Hand an seinen Schwanz führte und sich mit ihr einen runterholte, und sein Spruch dann: „Schau mal, was du für eine Sauerei gemacht hast“. Wie ich andere ältere Freunde mit Auto bat, mich abzuholen, um zum Freundestreffen zu fahren, damit ich nicht mit ihm allein im Auto sitzen musste. Oder wie ich ihm sagte, dass ich schnell nach Hause muss, und wie er mich dann mit saurem Schweigen bestraft hat, dass ich ihn um seine sexy time bringe.

    Und ich mich die ganze Zeit nicht traute, ihm das alles zu sagen. Und ich habe niemals durch Gesten oder Wörter angedeutet, dass ich irgendwas davon wollte. Aber ich habe bewusst durch Passivität protestiert und wollte versuchen, ihm so wortlos klarzumachen, dass ich nicht in Stimmung bin. Wer will, der macht doch mit. Gebracht hat das nichts.

    Ich denke nicht, dass er das alles absichtlich böse meinte. Ich freute mich immer, wenn er mal „nur kuscheln“ wollte und ich glaube schon, dass ihm was an mir lag. Aber auch beim Kuscheln ging ich auf Distanz, damit er bloß nicht auf die Idee käme, ich wollte mehr als nur das.

    Eine ganz dunkle Geschichte war das damals, und ich dachte auch, das wär normal. Ich sollte mich doch nicht so anstellen. Ich muss cool und erwachsen sein und konnte es einfach nicht. Deswegen hab ich mich geschämt – für MEIN Verhalten, weil ICH so prüde bin. Aber ich hab auch deutlich gemerkt, dass er mich ausnutzt. Dass er mit dem Auto immer wieder wohin fuhr, wohin wir eigentlich nicht wollten, und es dann immer wieder zu Spielereien kam, das war nicht okay, auch für mein siebzehnjähriges Ich nicht. Dennoch hab ich immer gedacht, ich war selbst schuld, weil ich weder laut Nein gesagt habe, noch ihn zur Rede gestellt hatte, geschweige denn ihn anzeigte – er war doch mein Freund.

    Immer, wenn ich lese, was anderen Frauen so zustößt, die ganze MeToo-Debatte etc, immer war ich froh, dass ich sowas nicht erlebt habe. Missbrauch? Nein, das kenn ich nicht, hab ich nicht erlebt. Aber deine Geschichte macht mir klar, dass ich das sehr wohl selbst erlebt habe. Ich hab es nur nicht als seinen Missbrauch abgespeichert, sondern als mein Versagen, nicht besser zu sein, oder wenigstens zu sagen, was ich will.

    Alles Gute dir und allen anderen!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s