Das Mysterium „vaginaler Orgasmus“

In meinem letzten Beitrag habe ich darüber geschrieben, dass nur sehr wenige Frauen durch die vaginale Penetration zum Orgasmus kommen können. Für die meisten von uns, mich eingeschlossen, bietet die Klitoris jahrelang die einzige Möglichkeit, einen sexuellen Höhenflug zu erleben. Doch was ist, wenn das nicht so sein muss? Ich möchte euch daher eine kleine Geschichte erzählen. Die Geschichte darüber, wie die Madame den vaginalen Höhepunkt trainierte – kam, sah und siegte. Wortwörtlich.

Ich kann hier kein Wundermittel erläutern und habe auch nicht die ultimative Formel an der Hand. Alles, was ihr hier lest, beruht auf meinen ganz persönlichen Erfahrungen und ist daher sehr individuell. Aber einmal alles auf Anfang: Ich entdeckte das Masturbieren für mich, als ich gerade einmal 11 Jahre alt war. Ich hatte schon viel über diesen Begriff gelesen. Orgasmus nennen sie es.Wie tausend Schmetterlinge in deinem Körper“, stand in einem Artikel. Irgendwann packte mich die Neugierde und ich wollte unbedingt wissen, wie sich das anfühlt.

Wie ich Körper und Geist einseitig „programmierte“

Zwischen Plüschbären und Diddl-Bettwäsche begann ich damit, meinen eigenen Körper zu erkunden. Die ersten Male war ich wenig erfolgreich. Ich rieb und streichelte mich zwar selbst, empfand es aber als sehr anstrengend und mühsam. Sobald ich müde wurde, schlief ich meist ein. Einmal war meine Klitoris so taub gerieben, dass ich das für einen Orgasmus hielt (wobei ich heute natürlich weiß, dass es das nicht war). Wenn das alles war, verstehe ich diesen Hype nicht. Und eines abends passierte es. Auf dieses Gefühl hätte mich nichts vorbereiten können. Wie ein Stromschlag, der durch den ganzen Körper zog. Eine innere Explosion, die sich von meinem Unterleib, bis in meine Haarspitzen ausbreitete. Von da an wollte ich dieses Gefühl wieder und wieder spüren. Seit meinem 13. Lebensjahr masturbierte ich dann sogar täglich.

Warum ich das alles erzähle? Stellt euch einen Menschen vor, der jahrelang am Fließband schrauben nachzieht. Das kann er, darin ist er gut und jede Schraube sitzt fest. Nun muss er in eine andere Abteilung und sitzt wieder mit seinem Schraubenzieher am Fließband. Doch, halt, da kommen gar keine Schrauben, sondern Nägel. Der Arbeiter weiß nicht, was er tun soll und sein Werkzeug ist völlig nutzlos. Genau so ging es mir auch beim masturbieren. Ich machte es mir jahrelang, jeden Abend, auf dieselbe Art und Weise. Ich wusste genau, wie ich mich wo berühren musste, damit ich zum Höhepunkt kam. Nun wollte ich das auch vaginal erreichen und probierte mich quasi „am anderen Fließband“ – keine meiner gewohnten Techniken brachte da Erfolg. Im Gegenteil. Mein Körper hatte sich derart auf meine Klit fokussiert, dass ich in mir völlig unempfindlich war. Es fühlte sich einfach nach warmem Fleisch an, nicht erregend.

Aller Anfang ist schwer

Ja, Sex war schön, keine Frage, aber dadurch kommen gelang mir nie. Also las ich mich ein wenig in die Materie ein. Seit meinem 19. Lebensjahr war ich fest entschlossen, dass ich das erreichen will und kann. Ich möchte vaginal kommen können. An dieser Stelle kann ich versichern: Das ist der falsche Weg. Wer unbedingt kommen WILL, der kommt meist gar nicht oder nur sehr unbefriedigend. Nachdem etliche Versuche erfolglos blieben, redete ich mit einem guten Freund darüber. Wer mir auf Twitter folgt, kennt diesen gewissen Herren. Der Liebhaber. Er erklärte mir, dass ich meinen Kopf ausschalten müsse und einfach fühlen solle. Ich müsse erst einmal meinem Körper beibringen, dass Berührungen dort auch schön seien. Beibringen? Plötzlich fiel bei mir der Groschen: Natürlich. Mein Körper muss das erst lernen.

Genau wie damals, als ich meine ersten Orgasmus-Versuche machte, müsste ich nun auch vorgehen. Ich beobachtete also meinen Körper und erkundete mich ganz neu. Wie fühlt sich was an? Wärme, Nässe, Enge, Anspannung, Entspannung, die Beschaffenheit der Haut… Eine von mir liebgewonnene Bloggerin, Marie, schrieb einmal, dass sich die Wände einer Vagina anfühlen würden wie die Innenseiten der Wangen. Der Vergleich trifft es ziemlich gut. Wenn man sich einmal ganz neu auf seinen Körper einlässt, ist es nahezu verrückt zu sehen, was man entdeckt.

Erkunden, erlernen, hinterfragen

Nach der Erkundung folgte die Lernphase. Was fühlt sich gut in mir an? Ein Finger, zwei Finger, ein Vibrator? Stillstand oder Reibung? Kreisen oder stechen? Ich hatte mich selbst völlig anders eingeschätzt. Aus Pornos und Filmen kennt man nur die rammende, stechende Bewegung von Fingern oder Schwänzen, also dachte ich, das müsse ich ja schön finden. Falsch gedacht: Tatsächlich mag ich kreisende Bewegungen mit Druck an den Innenwänden der Vagina viel lieber. Oder eine gekonnte „Komm her“-Bewegung mit Reibung der G-Zone (Info für Interessierte: Die G-Zone liegt wenige Zentimeter hinter dem Scheideneingang an der Oberseite; sie fühlt sich leicht wellig an). Natürlich kommen diese Bewegungen nicht in Pornos und Filmen vor, aus dem einfachen Grund, dass man sie nicht sehen kann. Sie passieren im Inneren der Frau und sind somit für das Publikum optisch wenig ansprechend.

Nachdem ich also wusste, welche Bewegungen ich am schönsten finde, habe ich begonnen, meinen Körper „umzuprogrammieren“. Ich machte es mir immer abwechselnd: Erst stimulierte ich meine Klit, wie ich es immer tue, dann stoppte ich und stimulierte mich von innen, dann wieder die Klit usw. Dieses Spiel trieb ich meist so lange, bis ich klitoral kam. Irgendwann – während eines Pornos und nach ungefähr 45 Minuten abwechselnder Penetration – geschah es dann. Ich kam, aber ganz anders als sonst. Was ich früher nie für möglich gehalten hätte, weil ich dort völlig unempfindlich war, passierte. Ich hatte einen vaginalen Orgasmus. Glaubt mir, wenn ich sage, dass ihr den Unterschied spüren werdet. Während der klitorale Orgasmus durch den ganzen Körper fährt, bleibt der vaginale relativ lokal, dafür sehr kräftig. Mein erster Gedanke: Wie ein Feuer im Inneren.

Nachdem nun also der Knoten geplatzt war, probierte ich das immer wieder. Manchmal passierte nichts, manchmal gelang es mir. Ich begann schließlich damit, mich auf beide Arten gleichzeitig zu befriedigen, anstatt abwechselnd und diese Technik brachte mich immer häufiger vaginal zum kommen. Dies führte dazu, dass ich mittlerweile, wenn ich mich nur um meine Klit kümmere, etwas in mir vermisse! Heute bin ich an dem Punkt angekommen, an dem ich beides genießen kann und mir je nach Laune den jeweils anderen Orgasmus beschere. Ich habe keine Präferenz. Aber ich kann zumindest sagen, dass ich zu beidem in der Lage bin, auch wenn ich das nie gedacht hätte. Mit diesem Beitrag erfülle ich den Wunsch einiger Leserinnen (und Leser), die mich fragten, wie mir das gelungen ist. Ich hoffe, dass ich diesem Wunsch gerecht werden konnte. In jedem Fall zeigt meine persönliche Erfahrung: Den vaginalen Orgasmus kann man tatsächlich lernen – und diese Art des Trainings macht auch noch Spaß. Seeeeeehr viel Spaß…

6 Kommentare zu „Das Mysterium „vaginaler Orgasmus“

  1. Ein ganz toller Beitrag, und wie man an den Reaktionen Deiner Followerinnen sieht, auch ein sehr wichtiger, zumal das Thema „Eine Frau spielt lustvoll mit sich selbst“ (ich finde das Wort „Masturbation“ total abturnend) immer noch ein großes Tabu ist – im Gegensatz zum Wichsen, das war nie eins.
    Ich möchte noch einen Tipp hinzufügen: ICH habe festgestellt, dass bestimmte Positionen meine beiden Orgasmusformen sehr verstärken. Knieend und Kopf nach unten, Kopf über die Bettkante hängen lassen, stehend mit beiden Beinen auf dem Boden oder ein Bein abstützen – auch beim Spiel bringt es durchaus etwas, mal die Position zu wechseln.
    LG, Carina

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  2. Es gibt dann noch einen kleinen Trick, wie frau zum vaginalen Orgasmus kommt:
    Zurückv*geln.
    Denn Sex hat ja etwas mit Bewegung und Leidenschaft zu tun. Und dieses Spiel gipfelt dann in einem Orgasmus.
    Beim Mann wie bei der Frau, im Optimalfall gleichzeitig.

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      1. Leidenschaftliche Frauen, die zurückv*geln, um es mal salopp auszudrücken, haben grundsätzlich keine Orgasmusprobleme.
        Also sollte frau Leidenschaft und Bewegung eine Chance geben.
        Selbst wenn es mit dem Orgasmus nicht auf anhieb klappt, wird der Sex um einiges besser sein.

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